Laufen im Paradies

Von   9. Oktober 2015

Laufen im Paradies, 7. Kauai und 45. Maui – Marathon / Hawaii
Die letzte Hawaii-Reise im Jahre 2009 führte meine Frau und mich unter anderem auch nach Kauai, wo ich anhand eines Faltblattes feststellte, dass dort erst kürzlich der Kauai Marathon stattgefunden hatte und da ärgerte ich mich schon dass ich von dem Lauf nichts wusste – so blieb es 2009 bei dem Maui –Marathon. In diesem Jahr lagen beide Läufe nur 14 Tage auseinander, so konnte ich einen Hawaii-Urlaub mit 2 Marathonläufen planen.
Erste Station war die Hauptinsel Oahu. Dort findet im Dezember der Honolulu Marathon statt, der bei weitem teilnehmerstärkste Marathon auf den Inseln. Hier gibt es auch teilweise ein großes Zuschauerpotential. Die Laufstrecke ist relativ einfach, aber landschaftlich nicht so reizvoll. Der weltbekannte Strand von Waikiki sowie Pearl Harbour sind einen Abstecher wert und wer gerne gut und teuer einkauft ist in Honolulu bestens aufgehoben. Nach zwei Tagen flogen wir weiter zur Insel Kauai– der Garteninsel. Fast überall ist es dort herrlich grün, wie in einem regelmäßig bewässerten Garten. Das Gießen ist teilweise sehr intensiv – liegt doch der regenreichste Punkt der Erde der Berg Waialeale auf Kauai. Es ist immer wieder faszinierend wie eng die Klimazonen auf den Hawaii-Inseln beieinander liegen – hier Regenwald und ein paar Kilometer weiter Savanne oder Felder mit Zuckerrohr, die künstlich bewässert werden. Auf Kauai liegt der berühmte Waimea-Canyon den Mark Twain als Grand Canyon des Pazifik bezeichnet hat.
Unser Strandhotel in Poipu lag perfekt zum Start und Ziel des Kauai-Marathons. Start des Laufes war am 06.09.um 6:00 Uhr am Morgen. Gestartet wurde gemeinsam mit den Halbmarathonläufern (insgesamt rund 1700 Läufer, davon 300 Marathonis, Frauenanteil fast 60 %). Nach den Hymnen von Kauai und den USA (jeweils live gesungen) wurde der Lauf mit großen Muscheln angeblasen. Damit begann für mich ein feuchtheißer Lauf wie ich ihn noch nicht erlebt habe. Bereits nach einer Meile wurde meine lockere Laufhose zu einer klatschnassen enganliegenden Tight und die Sonne ließ auch nicht lange auf sich warten. Der Kauai Marathon hat fast 700 Höhenmeter und ist damit mit Abstand der schwerste auf den Inseln. Er ist landschaftlich wunderschön und an vielen Verpflegungsstellen wird man von Hula Mädchen oder Musikgruppen unterhalten. Nach 11 Meilen teilt sich die Strecke, die Halbmarathonis laufen Richtung Ziel und die Marathonis in eine andere, neue Richtung. Da wird es dann schon einsam, fast schattenlos und dann geht es eigentlich erst mit den Höhenmetern los. Circa bei Km 25 – ich hatte gerade eine dicke Steigung bei knalliger Sonne hinter mir und kam bei einem Verpflegungsstand an. Von dort wurde ich mit den üblichen Sprüchen „Good job“ und „Lookin‘ good“ angefeuert. Ich sah alles andere als gut aus, war aber zu einem Scherz aufgelegt. Ich fragte die Helfer ob sie den Song „Little Lies“ von Fleetwood Mac kennen (ich bin ein Fan der Gruppe, auf Hawaii ist die Gruppe auch sehr populär da Mick Fleetwood auf der Insel Maui lebt), der Refrain ist ja „Tell me lies, tell me sweet little lies“. Sie bejahten, ich sang den Refrain kurz an und sagte dann „So You do“. Es gab ein großes Gelächter und der Spaß am Lauf war zurück. Die letzten Laufkilometer am Meer fielen dann leichter, zudem ging es dann auch bergab. Nach 5:30 war ich im Ziel, wo es dann noch eine tolle Zielverpflegung und eine wunderschöne Medaille gab. Ein beeindruckender , aber auch sehr schwerer Landschaftslauf der eigentlich nach Wiederholung ruft, wenn nicht die über 24-stündige Anreise wäre !
Nächstes Ziel war Big Island – die Insel die alleine größer ist als alle anderen Inseln zusammen (die flächenmäßig größte Ranch der USA –die Parker Ranch – liegt hier und nicht in Arizona, Wyoming oder wo auch immer). Die Insel wird von den beiden aktiven Vulkanbergen Mauna Loa (4169 m) und Mauna Kea (4205 m) geprägt. Im Vulcano Nationalpark kann man auch flüssigen Lavaströmen begegnen und das ist nirgendwo sonst auf der Welt gefahrlos möglich. Dort gibt es auch Regenwald und da haben wir dann auch eine ganze Menge Regen gehabt. So fiel leider unser Hubschrauberrundflug über die Vulkane von Hilo aus dem Wetter zum Opfer.
Auf Maui hatten wir wieder wie 2009 ein schönes Strandhotel in Kaanapali dem Ziel des Marathons. Das Schnorcheln dort im warmen Pazifik verschafft immer wieder wunderbare Eindrücke von der bunten Fischwelt und den bis zu 200 Kg schweren Seeschildkröten.
Am Sonntag den 20.09. galt es dann für mich früh (2:30 Uhr)aufzustehen, denn Start des Laufes war 5:00 Uhr und der Buszubringer von Kaanapali (dem Ziel des Laufes an der Westküste Mauis) zum Startort Kahului fuhr bereits um 3:00 Uhr ab. Die Laufstrecke führt zum größten Teil (17 Meilen) direkt am Ozean entlang und bietet wirklich ein spektakuläres Sightseeing. Zwischen Km 35 und 40 durchläuft man den Ort Lahaina (vor Honolulu Inselhaupstadt Hawaiis und ehemals Zentrum der Walfänger) vorbei am Courthouse, am Hardrockcafe und durch die gesamte malerische Einkaufstraße. Kurze Zeit später erreicht man das Ziel in Kaanapali. Der Lauf ist größtenteils flach (aber zwischen km 15 und 20 sorgen die West Maui Mountains für einige heftige An- und Abstiege), fast völlig ohne Schatten und aufgrund der hohen Lauftemperaturen (um 6:15 Uhr geht die Sonne auf) von deutlich über 30 Grad nicht einfach. In der ersten halben Stunde (von 5:00 – 5:30 Uhr) gab es sogar leichten Regen, doch hatte der keineswegs eine kühlende Wirkung sondern war eher ein Saunaaufguss). Im Ziel (siehe oben)wartete wieder tolle Verpflegung und eine wunderschöne Medaille auf die Finisher. Neben dem Marathon (rund 600 Finisher) werden noch Halbmarathon, 10 km und 5 Km-Lauf angeboten – allerdings auf anderen Strecken bzw. zu anderen Zeiten. Insgesamt hatte man rund 3000 Teilnehmer und in der Summe waren auch hier deutlich mehr Frauen als Männer am Start. Besonders sehenswert auf Maui (neben Marathon und Badeurlaub) ist die Straße nach Hana, eine spektakuläre Fahrt (50 Meilen, 56 einspurige Brücken, 617 Kurven durch Regenwald und wunderschöne Landschaft) und auch auf den erloschenen Vulkan Haleakala der über 3000 m hoch ist kann man mit dem Mietwagen fahren. Auf dem Weg dorthin ist man durch 7 Klimazonen unterwegs. Jedes Jahr im März gibt es hier den spektakulären Lauf „Run into the light“ von Kahului zum Gipfel (rund 70 Km lang, 10 Std. Zeitlimit, rund 3000 Höhenmeter und über 30 Grad Temperaturunterschied – also in Badehose loslaufen und im Wintermantel ankommen). Es gibt also Grund genug wiederzukommen – nicht nur der Läufe wegen.

Karl Wolfgang Baumgarten

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